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Als Agentur für Zukunftskommunikation sind wir selbstverständlich immer auf der Suche nach interessanten Entwicklungen in der Digitalen Transformation: Von Trends im Industriemaßstab wie Containerisierung und Industrie 4.0 über die ungebremste Kreativität der Entwickler beim Ertüfteln revolutionärer, genialer App-Ideen bis zu Smart Home und dem Internet of Things haben wir überall unsere Augen, wo Innovation geschieht. Seit Längerem verfolgen wir dementsprechend schon die Maker-Szene, die in den vergangenen Jahren die Konstruktion von mehr oder minder nützlichen Gadgets zum Hobby erhob und in deren Magazinen jüngere Entwicklungen wie 3D-Drucker und das Internet of Things eine wahre Welle der Kreativität freigesetzt haben. Immer wieder überrascht die Szene sich selbst mit faszinierenden & überraschenden Anwendungen, Materialien und Prozessen und profitiert dabei besonders davon, dass Rechenleistung, Sensoren und Netzwerkfunktionen kontinuierlich günstiger und immer kompakter werden. So war es dann für uns Beobachter der Makerspace-Szene auch kaum zu übersehen, welch ein riesiges Kreativitätspotenzial durch eine kaum 13 x 8 x 4 cm kleine Neuheit freigesetzt wurde, nämlich den sogenannten Raspberry Pi:

Mitte der 2000er erdachte sich der britische Universitätsmitarbeiter und Doktor der Informatik Eben Upton, von der Enttäuschung über die abnehmenden Programmierkenntnisse seiner Erstsemester getrieben, einen ersten Prototypen eines günstigen, robusten und platzsparenden Minimal-Computers, der dem Experimentierwillen des Nachwuchses ohne zu große finanzielle und technische Hürden gerecht werden sollte. Das Crowdfunding für die ersten 1000 Platinen war innerhalb weniger Tage weit über das ursprüngliche Ziel hinausgeschossen und stellt heute den historischen Grundstein für die Raspberry Pi Foundation dar, die die Idee des Raspberry Pi und seine Weiterentwicklung vertritt. Mittlerweile sind die jährlichen Verkaufszahlen auf über 10 Millionen angestiegen und es finden sich täglich neue Verwendungszwecke. Von personalisierten GameBoy-Nachbauten über alleskönnende Handheld-Konsolen, Medienserver für den Heimbetrieb, Persönlichen Assistenten, Digitalen Anzeigetafeln für Veranstaltungen und Kongresse, embedded systems & IoT bis zu Wetterballons sind die Anwendungsbereiche des kleinen Rechners bereits erschlossen, doch finden sich laufend weitere Ideen und dank der fortschreitenden Weiterentwicklung des Geräts, weiteren Anschlussmöglichkeiten und einer wachsenden Softwarebibliothek scheint diese Entwicklung bis auf Weiteres nicht zum Stehen zu kommen.

So mussten wir den kleinen Racker nun auch endlich einmal in die Finger bekommen: Der Raspberry Pi 3 Model B bringt auf einem Grundriss, der einer Zigarrettenschachtel nicht unähnlich ist, einen Prozessor mit etwa 700 MHz sowie eine beeindruckende Menge von Anschlüssen mit. Das Zubehör in Form eines schmückenden und schützenden Gehäuses und ein passendes Netzteil sind günstig, aber – ganz im Sinne einer offenen Plattform – nicht einfach im Lieferumfang inbegriffen. Anfänger lassen sich auch eine mit dem Installationsprogramm NOOBS präparierte SD-Karte mitliefern, mit der die einmalige Installation des Betriebssystems weiter vereinfacht werden kann. Von Kennern von Linux-Betriebssystemen und Leuten, die keine Angst vor Textterminals haben, ist der Installationsprozess aber nicht zu viel verlangt und so konnten wir, auch dank einer sehr schnellen SD-Karte, bereits 30 Minuten nach dem Unboxing den ersten erfolgreichen Boot-Prozess vermelden.

Das Lego für Computerbastler

Das Betriebssystem unserer Wahl, Raspbian, ist ein Derivat der auf Zuverlässigkeit, Stabilität und Benutzerfreundlichkeit ausgerichteten Linux-Distribution Debian und fühlt sich dank der LXDE Desktopumgebung und der nicht zu unterschätzenden Rechenleistung des Raspberry Pi 3 Model B erst einmal an wie jedes andere klassische Betriebssystem. Entwicklungsumgebungen für Python, LibreOffice Bürosoftware und ein Chromium Webbrowser sind vorinstalliert und es kann eigentlich sofort losgehen, aber für die Verwendung als Bildquelle für eine Anzeigetafel in unserem Firmensitz braucht es noch etwas mehr Automatisierung – mit Linux‘ cronjobs sind automatische Abschalt-, Update- und Loggingzeiten schnell eingerichtet und Startup-Skripte zum automatisierten Starten aller benötigten Programme waren in wenigen Minuten vorbereitet. Nicht vergessen: Alle Raspberry Pi kommen mit den gleichen Zugangsdaten aus der Fabrik – gerade bei einem Raspberry Pi mit WLAN-Funktionalität sollte dann keinesfalls vergessen werden, diesen Login zu ändern, denn mit den richtigen Vorkehrungen ist ein Raspberry Pi eben auch übers Netzwerk per SSH steuerbar. Natürlich unterscheiden sich diese Aspekte auch von Betriebssystem zu Betriebssystem – Raspbian ist nicht alternativlos, sondern erfreut sich reger Konkurrenz. Nicht zuletzt funktioniert die IoT-Version von Windows 10 auf dem Pi einwandfrei. Es gibt auch spezialisierte Betriebssysteme, z.B. für den Betrieb als Medienserver, sozusagen als NAS (Network Attached Storage) im Miniaturformat.

Aber zurück zu unserem Kontext: Wir möchten den Raspberry Pi als eine frei individualisierbare Digital Signage-Lösung nutzen. Digital Signage, das meint: Digitale Anzeigetafeln, wie man sie wohl aus modernen Ladengeschäften kaum noch wegdenken mag: Sie zeigen Wegbeschreibungen, Lagepläne, Werbepräsentationen und vieles mehr – zentral steuerbar & programmierbar. In unserem Falle möchten wir aber nur einen einzigen Screen bespielen und dabei die volle kreative Freiheit ausleben können, ohne umfangreiche B2B Verträge mit entsprechenden Herstellern schließen zu müssen. Die damit meist einhergehenden Serverinfrastrukturen wären hier wohl nur unnötiger Ballast, die Beschränkung auf ein proprietäres Anzeigeprogramm würde unsere Kreativität nur unnötig bremsen und nicht zuletzt befreit uns der Raspberry Pi auch von allen Beschränkungen bei der Displaytechnik – der HDMI-Anschluss des Raspberry macht es uns hier ganz einfach. Anders als bei Digital Signage Lösungen greifen wir in diesem Fall auf nicht-Smarte, sozusagen „dumme“ Bildschirmen zurück, die ohne all die Kinderkrankheiten von Smart TV auskommen und uns dabei Zeit und Geld sparen.

Einmal in Betrieb genommen, tut der Raspberry Pi auf unserem Flur bisher einen tadellosen Dienst und ermöglicht uns, auf einem großen Bildschirm im Flur ausgewählte Elemente unserer Kanban Projektmanagement-Lösung darzustellen, abwechselnd mit handgepickten Visuals und Eindrücken von Projekten aus dem Hause SCHWIND‘. Schon jetzt mustert sich der Infoscreen zum neuen Mittelpunkt der Flurgespräche, nicht zuletzt aufgrund des Neuzugangs in der Form des kleinen grauen Kästchens.